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Wenn Zähne zusammenbeißen – Zähneknirschen und die Folgen für Ihre Gesundheit

Wenn Zähne zusammenbeißen – Zähneknirschen und die Folgen für Ihre Gesundheit

“Zähne zusammenbeißen!” ist nicht immer die beste Lösung…

Für eine Übersicht unserer Leistungen: Zahnarzt Graz

Immer mehr Menschen leiden unter Bruxismus (Zähneknirschen) – Gesellschaftliche Ursachen sind Grund für das wachsende gesundheitliche Problem. 


Der 30-Sekunden Zähneknirsch-Check

Falls Sie eine oder mehrere der folgenden Fragen mit Ja beantworten, sollten Sie den Zahnarzt Ihres Vertrauens für eine Kontrolle aufsuchen:

  • Haben sie am Morgen Schmerzen im Mund- und Gesichtsbereich?
  • Ertappen Sie sich zum Beispiel bei der Arbeit, wie Sie Ihre Zähne über längere Zeit fest zusammenbeißen?
  • Haben Sie das Gefühl, Ihre Zähne nützen sich stark ab und werden vor allem im vorderen Bereich immer kürzer?
  • Heftiges Zähneknirschen kann hohe Lautstärken erreichen. Ist Ihr Partner vielleicht einmal davon wach geworden?

Dentales Instrumentarium, Spiegel und Sonden

Zähneknirschen ist eine natürliche Reaktion auf zu hohen Druck und Stress im Alltag. Es kann aber auch zu viel des Guten sein und zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.

Ursache Nummer Eins: Stress

Immer mehr Leute leiden unter Stress. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Kummer, Trauer, soziale und familiäre Verantwortung, hohe Geschwindigkeit und hoher Druck am Arbeitsplatz und vieles mehr. Die geistige Belastung wirkt sich auf unsere Psyche aus. Psychosomatische Folgen – also psychisch bedingte körperliche Symptome – sind vorprogrammiert. Der Körper versucht nämlich selbstständig, emotional Aufgestautes über den Körper abzuleiten.

Ein wichtiges Mittel dazu, ist unser Kauapparat. Das äußert sich im sogenannten Bruxisums, wie das feste Zusammenpressen, Aneinanderreiben und vor allem das Zähneknirschen in der Fachsprache genannt wird. Zähneknirschen kann in wachem (Wachbruxismus) oder schlafendem (Schlafbruxismus) Zustand auftreten. Immer mehr Menschen leiden heutzutage darunter. Manche Studien sprechen von 30%, manche sogar von bis zu 70% der Bevölkerung, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter abnimmt und Zähneknirschen nicht immer die Gesundheit beeinträchtigt.

 

Das Unterbewusstsein meldet sich zu Wort

Die stammesgeschichtliche, evolutionäre Perspektive sieht einen engen Zusammenhang zwischen Stress, Aggression und der Aktivität des Kauapparats. In Urzeiten diente dieser nämlich als wichtige Waffe und vielseitiges Werkzeug – gesteuert vom limbischen System.

Das limbische System, jene Funktionseinheit unseres Gehirns, in dem sich das Triebhafte, Emotionale aber auch das Intellektuelle abspielt, ist direkt mit unserer Kiefermuskulatur und somit unserem Kauorgan verbunden. Deswegen wirkt sich (emotionaler) Stress auf unsere Zähne und Zahnoberflächen aus. Ein gewisses Maß an Zähneknirschen ist normal und sogar behilflich, Stresshormone abzubauen.

 

Weitreichende Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden

Entstehen jedoch Schmerzen und gesundheitliche Probleme, wie zum Beispiel Schäden an der Zahnsubstanz, häufiges Zahnfleischbluten, Schäden an der Pulpa, Risse im Schmelz, abgenutzte Kauflächen und Abrasion (Abnutzung) der Zahnkrone, Füllungen oder Implantate, ist es eindeutig zu viel des Guten.

Stressinduziert kann auch Zungenpressen hinzukommen. Dabei wird die Zunge, vor allem gegen die untere Zahnreihe gepresst, was Fehlstellungen nach sich ziehen kann. Zungendrücken kann man an Abdrücken der Zähne am Zugenrand erkennen.

Problemfall Zähneknirschen

Zähneknirschen und –pressen sind unterbewusste Vorgänge, die häufig im Schlaf auftreten und daher oft lange unentdeckt bleibt. Auch im wachen Zustand wird einem das feste Zusammenpressen der Zähne oft lange nicht bewusst. Ein Indiz sind oft Schmerzen und Verspannungen im Bereich der Kiefermuskel, vor allem wenn sie am Morgen auftreten. Schmerzen in diesem Bereich können jedoch unterschiedliche Ursachen haben. Sie können auch von einer Fehlfunktion des Kiefers herrühren. Das kann Ihr Zahnarzt mit einer (instrumentellen) Funktionsanalyse feststellen.

 

Therapie Zähneknirschen: ganzheitlich und nachhaltig
Der erste Schritt ist immer der Weg zum Zahnarzt. Zur Kontrolle zu gehen, kann viele Probleme schon lösen, bevor sie sich überhaupt erst (schmerzhaft) manifestieren.

Grundsätzlich gibt es zwei Richtungen aus denen man sich für eine effiziente und nachhaltige Therapie für Bruxismus nähern sollte. Auf der einen Seite müssen die Symptome behandelt werden, damit keine weiteren Schäden und Schmerzen entstehen. Auf der anderen Seite sollte das Problem auch bei der Wurzel angepackt werden: Es gilt Stress zu verhindern und einen ausgeglichenen Lebens- und Alltagsrhythmus zu finden.

 

Unterschiedliche Therapieformen für Bruxismus
  • OKKLUSIONSSCHIENE: Eine Okklusionsschiene verhindert zwar weitere Schäden am Zahn, ist aber keine Garantie für die Beseitigung der grundlegenden Ursache des Knirschens.

 

  • PHYSIOTHERAPEUTISCHE LOCKERUNGSÜBUNGEN für das Kiefergelenk und stressreduzierende Maßnahmen, wie (kleine) Änderungen des Lebensstils, progressive Muskelentspannung, verhaltenstherapeutisches Biofeedback bis hin zur psychotherapeutischen Maßnahmen. Viel ist gewonnen, indem Betroffene sich tagsüber des eigenen Knirschens und Pressens bewusst werden und gezielt die Entspannung suchen – die Selbstobservation kann die Häufigkeit des Auftretens von Wachbruxismus um vieles verringern.

 

  • BIOFEEDBACK: Hilft die Okklusionsschiene nicht weiter, wird oft Biofeedback eingesetzt. Biofeedback funktioniert durch akustische und optische Signale, die bestimmte körperliche Bewegungen dem Anwender rückmelden. Das Gerät schlägt Alarm, wenn Sie in der Nacht Ihre Kaumuskulatur anspannen.

 

  • PROGRESSIVE MUSKELENTSPANNUNG: Gezieltes Anspanne von Muskelpartien unter Tags können zu Erleichterung in der Nacht führen.

 

  • HNO: Andere Ursachen, speziell für den Schlafbruxismus, können auch Atmungsstörungen (zum Beispiel obstruktive Schlafapnoe, OSA und Schnarchen) oder auch Rauchen, Koffein, Alkohol und bestimmte Medikamente sein. Hier kann ein HNO-Arzt weiterhelfen.

 

  • PSYCHOTHERAPIE: In extremen Fällen, in denen Zähneknirschen nur eines von vielen Symptomen hoher psychischer Belastung ist, kann auch psychologische Betreuung und Psychotherapie herangezogen werden.

 

Autorin: Dr. Ursula Wegscheider

 

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